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27.03.2013: Jugendfachkraft für Regnitzlosau

Damit keiner nach rechts kippt

Kirche und Kommune bauen die Jugendbetreuung in Regnitzlosau aus. Die geplante Stelle soll unter anderem dazu beitragen, die jungen Regnitzlosauer vor rechtem Gedankengut zu schützen.

Von Christoph Plass

  • Um Jugendliche vor dem Absturz in die rechte Szene zu bewahren, stellen Kirche und Kommune eine gemeinsame Jugendarbeit auf. Die Zielgruppe: die 180 Kinder und Jugendlichen zwischen zwölf und 18 Jahren, die im Gemeindegebiet leben.
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Regnitzlosau - "Die kirchliche Jugendarbeit ist auch dazu da, Menschen zu eigenen Persönlichkeiten zu erziehen - damit sie nicht auf irgendwelche Rattenfänger hereinfallen", sagt Dekan Günter Saalfrank. Doch haben gerade weder die Kirchengemeinde noch die politische Gemeinde Regnitzlosau - in deren Gebiet der Neonazi-Unterschlupf Oberprex liegt - einen Jugendarbeiter. Das soll sich schleunigst ändern: Seit einem Vierteljahr reifen die Ideen für eine gemeinsame Jugendarbeit zwischen Kirche und Kommune. Die Pläne nehmen Gestalt an.

Wenn Bürgermeister Hans-Jürgen Kropf zur jährlichen Jungbürger-Versammlung einlädt, dann verschickt er etwa 180 Einladungen - so viele 12- bis 18-Jährige leben im Gemeindegebiet Regnitzlosau. Und um die geht es. Denn zwar ist die Vereinsdichte in Regnitzlosau mindestens so hoch wie in vergleichbaren Kommunen - und damit auch die Vielfalt der Angebote und Freizeitbeschäftigungen für Jugendliche. "Doch Bedarf gibt es immer", sagt Bürgermeister Kropf. Denn was die Kommune noch nie hatte - im Vergleich beispielsweise zu Rehau, Schwarzenbach an der Saale, Helmbrechts oder Stammbach - ist eine kommunale Jugendarbeit.

Erschwerend hinzu kommt, dass sich die Kirche in dieser Materie - zumindest auf dem Stellenplan - zurückgezogen hat aus dem Ort. Bis zum Stellenplan 2010 der evangelischen Landeskirche war für die Kirchengemeinde Regnitzlosau eine halbe Stelle für die Jugendarbeit ausgewiesen. Und besetzt. Der Landesstellenplan aber zwang viele Gemeinden, ihren Aufwand zurückzufahren: Die Stellen richten sich nach den Gemeindegliedern, und die werden weniger in Regnitzlosau. So hat man damals die halbe auf eine Viertelstelle gekürzt. Was nicht lange gut ging: "Das war nicht praktikabel, und für die Mitarbeiterin keine Perspektive", erinnert sich Dekan Günter Saalfrank. Mit absehbarer Folge: Im Januar 2012 wurde die Stelle vakant, sie existiert seitdem nur noch auf dem Papier.

Ein Besuch von Kirchenvertretern in Regnitzlosau im November hat schließlich wieder Bewegung in die Sache gebracht: "Regnitzlosau gehörte zu den sechs Gemeinden, die wir uns mit Teilnehmern der Landessynode in Hof ansahen", erklärt Günter Saalfrank. Die Geistlichen aus allen Teilen Bayerns hätten sich damals besonders dafür interessiert, wie die Regnitzlosauer mit der rechten Gefahr umgehen: Oberprex ist zum Synonym geworden für eine nur schwer zu verhindernde Ausbreitung von Neonazis.

Der Vorschlag Hans-Jürgen Kropfs damals: Die Kommune schafft eine Viertelstelle für die Jugendarbeit - um, zusammen mit der nominell bestehenden kirchlichen, zumindest eine Halbtageskraft einstellen zu können. Der Regnitzlosauer Gemeinderat hat die Mittel bereits bis einschließlich 2017 in den Haushalt eingestellt, in zwei Gesprächen klärten Dekan und Bürgermeister nun die Modalitäten. Sofern die entsprechenden Gremien der daraus entstandenen Vereinbarung nun zustimmen, kann das Dekanat die Stelle im Mai ausschreiben. Und möglicherweise, schätzt Günter Saalfrank, zum September besetzen.

So groß die Freude über den Schritt in Regnitzlosau ist, so hoch sind auch die weiteren Ziele: In seiner Konfirmationspredigt am Sonntag nannte Pfarrer Holger Winkler die halbe Stelle, so erfreulich sie sei, einen "Tropfen auf den heißen Stein". Und bat die Gemeindeglieder, wie schon im Gemeindebrief, um Spenden. Um sie aufstocken zu können.

Hilfe könnte da womöglich aus dem Süden Bayerns kommen: Einige Synodale hätten, berichtet Dekan Saalfrank, die Idee eines kirchlichen Schulterschlusses ins Spiel gebracht. Eine Gruppe Geistlicher besucht am 9. Juni die Kirchengemeinde. Der Gottesdienst trägt den Titel "Partnerschaft gegen Rechtsradikalismus".

Das geplante Angebot weiter auszubauen gehört zum Ziel der Beteiligten: "Mittelfristig wollen wir eine Ganztagsstelle schaffen", erklärt Saalfrank. Der Jugendarbeiter solle dann, neben kirchlicher Jugendarbeit und offenem kommunalem Jugendtreff, verstärkt Präventionsarbeit in Sachen Rechtsextremismus ins Programm aufnehmen. Günter Saalfrank: "Das könnte eine Anlaufstelle wie die in Bad Alexandersbad werden - dorthin wenden sich die Menschen aus der ganzen Region."

Preisgeld für Projekte

Mitte Januar hat das Bündnis "Hof ist bunt", das unter anderem mit seiner Großkundgebung gegen Neonazis am 1. Mai für Furore gesorgt hatte, einen Preis gewonnen. Wie ausführlich berichtet, hatte das "Bündnis für Demokratie und Toleranz - gegen Extremismus und Gewalt" die hochfränkische Initiative für ihre Courage und ihre Kreativität ausgezeichnet. Das Preisgeld von 2000 Euro soll projektbezogen in die Regnitzlosauer Jugendarbeit fließen.