Seiteninterne Navigation

Freie Wähler Landesverband BayernFreie Wähler Landesverband BayernFreie Wähler Landesverband BayernFreie Wähler Landesverband BayernFreie Wähler Landesverband Bayern

Navigation

 

Aktuelles

FWR-Pressenotiz: Neu!

Rehauer Tagblatt: Neu!

Blickpunkt: Neu!

Jugendarbeit

Informationen

Kein Platz

für Nazis

Ortsverschönerung

Konzept

Seiteninhalt

04.09.2008: Gerhardt Schiller im Ruhestand

Ressort Rehau

Erschienen am 04.09.2008 00:00

„Vermisse den Schreibtisch nicht“

Erinnerung | Nach 18 Jahren im Chefsessel blickt der frühere Regnitzlosauer Bürgermeister Gerhardt Schiller zurück. Die Gelegenheit zum Gestalten vermisse er zwar – aber auch im Ruhestand gebe es viel zu tun.

 

Regnitzlosau Seit Mai dieses Jahres ist Gerhardt Schiller, der ehemalige Bürgermeister von Regnitzlosau, inzwischen im Ruhestand. Im Gespräch mit unserer Zeitung blickt das frühere Gemeindeoberhaupt zurück auf die Jahre im Rathaus und spricht auch über seine persönliche Zukunft.

 

Herr Schiller, Ihr Namensvetter, der Dichter Friedrich Schiller, hat einmal gesagt: „Der Abschied von einer langen und wichtigen Arbeit ist immer mehr traurig als erfreulich.“ Würden Sie dem zustimmen?

Ja und nein. Ja, denn es war schön, das Geschehen in der Gemeinde mitgestalten zu können und für die Bürgerinnen und Bürger etwas zu tun. Es war auch schön, den Bürgern nicht nur als Amtsperson, sondern darüber hinaus auch privat mit Rat und Tat zur Seite zu stehen und helfen zu können. Nein, denn nach fast 45 Jahren Berufstätigkeit und 18 Jahren als Bürgermeister sagt man: Es reicht. Die Probleme werden nicht weniger und man merkt, dass es oft keine kurzfristigen Lösungen gibt. Langfristige Problemlösung belastet eine Person über Jahre und ich finde, dass sich jetzt Jüngere darum kümmern sollten.

 

Sie waren 18 Jahre als Bürgermeister in und für die Gemeinde Regnitzlosau tätig. Wie verlief der Übergang in den Ruhestand?

Problemlos. Ich vermisse bis heute nicht eine Minute den Schreibtisch.

 

Wie verbringen Sie Ihren Ruhestand vom Bürgermeisteramt? Haben Sie sich vollständig aus dem politischen Leben verabschiedet?

In Haus und Garten gibt es genug zu tun (lacht). Nein. Ich bin auch weiterhin für den Gemeinderat und den Kreistag und da in verschiedenen Ausschüssen tätig. So zum Beispiel im Baubereich des Landkreises Hof, im Gemeindebereich bin ich im Finanzausschuss tätig sowie auch im erweiterten Vorstand bei der CSU.

 

Rückblickend, was war Ihr wichtigstes Ziel als Bürgermeister?

Die Grundversorgung hinsichtlich Wasser sicherzustellen sowie die Abwasserbeseitigung. Auch das Feuerwehrwesen war ein Thema, dem ich sehr aufgeschlossen gegenüberstand. Dann war da natürlich auch das Bestreben, die Verkehrssituation in Regnitzlosau zu entschärfen, die Straßen zu sanieren und nach zähen Verhandlungen trug auch die hiesige Autobahnanschlussstelle schließlich den Namen „Regnitzlosau“. Sehr wichtig für mich war auch die Sanierung und das Fortbestehen der Regnitzlosauer Schule, deren Erhalt immer wieder finanziell gefördert wurde. Wichtig war auch das Thema Naturschutz sowie Landwirtschaft. Gerade die letztgenannten Schwerpunkte immer in Einklang zu bringen, war nicht einfach. Ein wichtiges Ziel war natürlich auch Bürgernähe; die Sanierung des ehemaligen Schmidt-Bank-Gebäudes: Die Bediensteten der Gemeindeverwaltung sollten in angenehmen Räumen untergebracht werden, um damit die Freude an der Arbeit zu fördern, was wiederum dem Umgang mit den Bürgern zugute kommen sollte.

 

Sind Aufgaben und Wünsche offen geblieben?

Auf jeden Fall! Die Sanierung der Kläranlage ist nach wie vor ein heikles Thema. Bei der Amtsübergabe wurde mir vorgehalten, ich hätte diesbezüglich noch im alten Amt Aufträge vergeben, was aber nicht richtig ist. Die Sanierung der Kläranlage zieht sich jetzt schon über 18 Jahre hin. Schon mein Amtsvorgänger hatte sich damit beschäftigt. Auch das Zusammenwachsen der Gemeinden unserer seit 1972 bestehenden Einheitsgemeinde bedarf Anschub. Natürlich soll nicht alles vereinheitlicht werden, dennoch sollte alles mehr ein Ganzes, Rundes ergeben.

 

Wenn Sie spontan zurückdenken, was in Ihrer Amtszeit ist Ihnen besonders positiv in Erinnerung geblieben, was negativ?

Positiv natürlich die Wiedervereinigung zu Beginn meiner Amtszeit. ’68 der Prager Frühling... Ich erinnere mich noch an den 9. November 1989, als sich der Gemeinderat nach der Sitzung in der Draisendorfer Erbschänke auf einen kleinen Umtrunk traf, als plötzlich ein Bürger hereinkam und sagte: „Die DDR macht die Grenzen auf!“ Damals haben wir auch 4,5 Millionen DM allein in Regnitzlosau an Begrüßungsgeldern ausgezahlt. Negatives gibt es nicht allzu viel zu berichten. Belastend empfand ich stellenweise die mangelnde Offenheit, die sich im Rahmen von Problemen und Nachbarschaftsstreitigkeiten ergab, sowie deren einseitige Darstellungen. Man sollte bei Streitigkeiten immer zwei Seiten anhören. Aber dass meine Arbeit auch unangenehme Seiten hat, war mir von Anfang an bewusst.

Das Gespräch führte André Rank