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02.08.2013: Stelle gegen Rechts zieht ins Pfarramt

02.08.2013 00:00 Uhr, Rehau

 

Stelle gegen Rechts zieht ins Pfarramt

Diakonin Sabine Dresel leistet von November an Jugendarbeit in Regnitzlosau. Kommune und Kirche kooperieren hier, um den Rechtsextremisten in Oberprex die Stirn zu bieten.

 

Regnitzlosau - Die Gemeinde Regnitzlosau geht den Kampf gegen braunes Gedankengut an. Nach der Regnitzlosauer Erklärung folgt nun der nächste Schritt: Am 1. November startet die Arbeitsstelle gegen Rechtsextremismus im Regnitzlosauer Pfarramt. Dafür kommt Sabine Dresel nach Regnitzlosau. Die Diakonin ist derzeit noch als Dekanatsjugendreferentin im Kirchenbezirk Traunstein beschäftigt.

Dekan Günter Saalfrank spricht in einer Pressemitteilung von einem Projekt mit Modellcharakter in mehrfacher Hinsicht. Einerseits arbeiten hier Kirche und Kommune Hand in Hand, andererseits kooperieren hier auch nord- und südbayerische Christen im Rahmen der Aktion "Bunt statt braun". Letztere nämlich, eine Aktion der Tutzinger Pfarrerin Ulrike Wilhelm, unterstützt die bis zum 31. Dezember 2017 befristete Stelle von Sabine Dresel zu 25 Prozent - so wie es auch Kommune, Landkreis und Kirchendekanat tun.

Dresel, seit 15 Jahren nun in Altötting im Kirchenbezirk Traunstein tätig, kommt "mit freudiger Erwartung" nach Regnitzlosau. Im Gespräch mit der Frankenpost schildert die 44-Jährige, worin sie ihre Aufgabe vom kommenden November an sieht. "Es ist ja eigentlich eine zweigeteilte Stelle", sagt sie mit Anspielung auf einerseits die Jugendarbeit und andererseits die Extremismusprävention. Welches Konzept steckt dahinter? "Eigentlich ist die Sache recht einfach: Wenn jemand gut eingebunden ist, dann ist er weniger anfälliges für das gefährliche Gedankengut", zeigt sich die Diakonin überzeugt. Deshalb sei es nötig, als kirchliche Stelle mit den verschiedenen Vereinen zusammenzuarbeiten. "Das muss nicht immer die Kirche sein", stellt Sabine Dresel heraus. Sie hält es für wichtig, die Jugendlichen direkt in die Arbeit miteinzubinden, so dass sie selbst etwas dazu beitragen können.

Grundsätzlich komme es ihr darauf an, die Jugendlichen bei ihrer Entwicklung zu begleiten und sie in der Hinsicht weiterzubringen. Dies helfe auch, um die jungen Menschen gegen extremes Gedankengut zu wappnen. Sie habe die Hoffnung, dass es in Regnitzlosau bereits Strukturen gebe, auf die man aufbauen kann und man nicht bei null beginnt. "Es scheint ein großer Bedarf da zu sein", sagt Dresel.

Ihr erster Eindruck war da ermutigend. Bereits zweimal war Sabine Dresel an ihrer neuen Wirkungsstätte - zunächst zum Vorstellungsgespräch, dann zur Wohnungssuche. Ihr Empfinden: "Der Dekan und der Bürgermeister waren mir gegenüber sehr aufgeschlossen. Und ich habe auch gemerkt, dass wir bei der Arbeit auch grundsätzlich auf einer Linie sind." Sie möchte nach Regnitzlosau ziehen, damit die Arbeit nicht bloß ein Job bleibt und sie auch außerhalb der Arbeitszeiten etwas vom Leben in der Gemeinde mitbekommt.

Einen wirksamen Schutz gegen neonazistische Gedanken sieht Sabine Dresel darin, "Kinder und Jugendliche zu selbstverantwortlichen Persönlichkeiten heranzubilden". Aus dem christlichen Glauben und der eigenen Überzeugung heraus müsse dort Flagge gezeigt werden, wo es zu Intoleranz, Unfreiheit und Hass gegen Andersdenkende kommt. Gruppen mit einer solchen Gesinnung dürften "nicht Macht über Kinder und Jugendliche bekommen und auch keine Machtposition in der Gesellschaft einnehmen", heißt es in der Pressemitteilung des evangelischen Dekanats Hof. Welche Maßnahmen hierzu notwendig und machbar sind, wird sich zeigen, wenn die Diakonin im Herbst nach Oberfranken kommt.

Sabine Dresel hatte in ihrem bisherigen Aufgabenbereich als Dekanatsjugendreferentin im Kirchenbezirk Traunstein bereits mit Extremismus und Prävention zu tun.

Für manchen mag es seltsam erscheinen, dass eine Dekanatsjugendreferentin aus Oberbayern den Schritt nach Oberfranken macht. Wer aber das leicht rollende "R" der Diakonin hört, merkt schnell: Sie ist Fränkin. "Ich stamme eigentlich aus Nürnberg", sagt Dresel, und fügt lachend an: "Jetzt komme ich eben wieder näher an meine Heimat heran - wenn auch diesmal von der anderen Seite." Die Nähe zur Heimat sei auch ein Aspekt gewesen, der sie dazu bewogen hatte, sich auf die Stelle in Regnitzlosau zu bewerben. "Bei uns in der Landeskirche gibt es einen Stellen-Pool. Außerdem ist es üblich, dass wir nach einigen Jahren mal die Stelle wechseln", sagt Dresel.

Regnitzlosaus Bürgermeister Hans-Jürgen Kropf spricht von einem "Experiment", das im November in seiner Gemeinde startet. Die neue Arbeitsstelle "Jugendarbeit und Extremismusprävention" solle dazu beitragen, die bestehende Jugendarbeit der Vereine zu ergänzen und zu koordinieren. "Prävention ist dabei das oberste Gebot", sagt Kropf.

Das Gemeindeoberhaupt sieht aktuell zwar keine konkrete Gefährdung der Regnitzlosauer Jugend durch die Rechten, die in Oberprex ein Haus gekauft haben, ihm sind auch keine Fälle bekannt, in denen sie ihre Arme ausgestreckt haben nach den Jugendlichen, doch "die Gefährdung ist ja eigentlich immer da. Wichtig ist jetzt erst einmal, dass die Stelle hier im Pfarramt geschaffen und mit einer Mitarbeiterin belebt wird", findet der Bürgermeister.

Welche Schritte Sabine Dresel von November an gehen wird, das wird sich noch weisen müssen. "Ich denke, es wird zunächst einmal eine Bestandsaufnahme geben, bevor weitere Schritte folgen", spekuliert der Bürgermeister. Könnte es durch die exponierte Stelle von Sabine Dresel zu Konfrontationen mit den Rechten kommen? "Jeder, der in der Öffentlichkeit steht, kann gewissen Situationen ausgesetzt sein. Aber ich hoffe und denke nicht, dass es so sein wird", sagt Hans-Jürgen Kropf.

Dass die Arbeitsstelle nun Wirklichkeit wird, ist übrigens eine direkte Konsequenz aus der Landessynode der evangelischen Kirche, die im vergangenen Herbst in Hof stattgefunden hatte. Auf dem umfangreichen Programm standen damals auch Exkursionen in die einzelnen Kommunen - und so auch nach Regnitzlosau. Hier entstanden bereits erste Ideen und Ansätze, die nun in die neue Arbeitsstelle für Jugendarbeit und gegen Rechtsextremismus im Regnitzlosauer Pfarramt münden.

Die Oberprexer Erklärung

Um den Widerstand gegen rechtsextremes Gedankengut möglichst geballt zu formulieren, wurde im März 2012 während des "Runden Tischs" die Oberprexer Erklärung verfasst. Die Vertreter der Behörden und Bündnisse stellten sich und ihre Arbeit vor. Die Erklärung verlas letztlich Landrat Bernd Hering. Die verschiedenen Initiativen werden darin vorgestellt, aber auch die Arbeit der oberfränkischen Polizei und der Bayerischen Informationsstelle gegen Extremismus wurde gewürdigt. Die Gründung des "Runden Tisches", so heißt es, habe das Ziel, Informations- und Präventionsarbeit in Schulen und Jugendgruppen zu leisten. Die Regnitzlosauer "Initiative für Demokratie" tritt ein für ein "weltoffenes, tolerantes Regnitzlosau ohne jegliche gesellschaftliche Ausgrenzung, ohne Rassismus, Antisemitismus, Hass und Gewalt".

 

 

 

Quelle: www.frankenpost.de

Autor: Von Patrick Gödde

Artikel: http://www.frankenpost.de/lokal/hofrehau/rehau/Stelle-gegen-Rechts-zieht-ins-Pfarramt;art2452,2737692

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